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Markenbild unter KI-Einfluss: So sehen dich ChatGPT & Co. wirklich

cropped klaus kirnbauer
Kurz & kompakt

Wenn Nutzer ChatGPT, Copilot oder den KI-Modus der Google Suche nach einer Marke fragen, stammt die Antwort aus hunderten öffentlichen Quellen, die das Unternehmen selbst kaum kontrolliert. Das Beispiel des Tiroler E-Bike-Herstellers Bergwind Bikes zeigt: Fehlen eigene Vergleichsinhalte, übernimmt die KI die Einordnung eines Mitbewerbers fast unverändert. Wer keine klare, aktuelle Faktenbasis im Netz bereitstellt, überlässt sein Markenbild fremden Quellen.

Wie KI-Systeme Markenbilder formen und was Unternehmen konkret dagegen tun können:

  1. Taucht eine Aussage über ein Unternehmen an zehn verschiedenen Stellen im Web ähnlich auf, wertet die KI sie als verlässliches Signal; ein einzelner veralteter Satz auf der eigenen Website verliert dagegen an Gewicht.
  2. Im Fall Bergwind Bikes fand die KI keinen eigenen Vergleich zur Konkurrenz, wohl aber einen Vergleichsartikel des Mitbewerbers, und übernahm dessen Einordnung nahezu eins zu eins.
  3. Ein erster Test läuft über die Frage "Wer ist [Marke] und wofür ist sie bekannt?" in ChatGPT, Copilot oder dem Google KI-Modus, gestellt aus Sicht von Kunden, Bewerbern und Journalisten.
  4. Eine zentrale Grounding-Page mit Unternehmensdaten, Leistungsportfolio und aktuellen Kennzahlen dient als Ankerpunkt; ein Grounding Page Tester prüft, ob diese Seite für KI-Systeme gut auswertbar aufbereitet ist.
Markenbild im KI-Zeitalter
Bild(er): KI-generierte Illustration

Stell dir vor, ein potenzieller Kunde tippt nicht mehr „Bergwind Bikes Erfahrungen“ in Google ein, sondern fragt ChatGPT: „Wer ist Bergwind Bikes und wofür steht das Unternehmen?“ Die Antwort, die er bekommt, hat dein Unternehmen nicht geschrieben, nicht freigegeben und in den seltensten Fällen überhaupt gesehen. Genau das ist der Kern des neuen Themas Markenbild im KI-Zeitalter: Immer mehr Menschen recherchieren Marken nicht mehr über deine Website, sondern lassen sich von künstlicher Intelligenz eine fertige Einschätzung liefern – zusammengesetzt aus hunderten Quellen, die du nur zum Teil kontrollierst.

Warum die alte Logik der Markenführung nicht mehr reicht

Früher war Markenführung vor allem Kanalarbeit. Ein Unternehmen legte fest, was es sagen wollte, und verteilte diese Botschaft über wenige, gut kontrollierbare Punkte: die eigene Website, bezahlte Anzeigen mit sorgfältig getexteten Landingpages, den Firmenblog, den Newsletter, ein paar aktiv bespielte Social-Media-Kanäle mit Redaktionsplan und klassische Pressearbeit. Wer sich über eine Marke informieren wollte, landete früher oder später auf einer dieser selbst gestalteten Flächen. Externe Stimmen – eine Kundenbewertung hier, ein Forumseintrag dort – gab es zwar, sie waren aber verstreut und hatten selten genug Gewicht, um das Gesamtbild zu kippen. Nutzer suchten meist oberflächlich, verglichen zwei, drei Ergebnisse und trafen ihre Entscheidung, ohne das halbe Internet zu durchforsten.

Genau dieses Verhalten ändert sich gerade grundlegend. KI-Systeme wie ChatGPT, Copilot oder der KI-Modus in der Google Suche liefern kein einzelnes Suchergebnis mehr, sondern eine verdichtete Antwort, die aus sehr vielen öffentlichen Quellen zusammengerechnet wurde. Das bedeutet: An der Kaufentscheidung ist ein neuer Touchpoint beteiligt, den du nicht direkt steuern kannst, weil er nicht auf deiner Website stattfindet.

Wie KI-Systeme ein Markenbild überhaupt zusammensetzen

Eine KI liest nicht nur deine „Über uns“-Seite. Sie zieht Medienberichte, Vergleichsportale, Branchenrankings, Foren, Social-Media-Beiträge und nutzergenerierte Inhalte heran und gewichtet all das nach Relevanz, Konsistenz und Häufigkeit. Taucht eine bestimmte Aussage über dein Unternehmen an zehn verschiedenen Stellen im Web in ähnlicher Form auf, wird sie für die KI zu einem verlässlichen Signal. Steht dagegen nur ein einziger, veralteter Satz auf deiner eigenen Seite, verliert er im Vergleich an Gewicht.

Das führt zu einer wichtigen Einsicht, die im Grunde gar nicht neu ist, durch KI aber deutlich sichtbarer wird: Eine Marke war schon immer das Bild, das andere Menschen im Kopf haben – nicht das, was ein Unternehmen selbst über sich behauptet. Künstliche Intelligenz macht dieses Prinzip nur konsequenter und wirksamer, weil sie das gesamte verfügbare Signalgeflecht auswertet, statt sich auf eine einzelne Quelle zu verlassen.

Symbolische Darstellung, wie viele Online-Quellen (Website, Bewertungen, Presse, Social Media) zu einer einzigen KI-Antwort über eine Marke zusammenfließen

Schweigen ist keine neutrale Option mehr

Nehmen wir ein Beispiel: Ein Tiroler Fahrradhersteller namens Bergwind Bikes bietet E-Mountainbikes an, positioniert sich aber online nirgends klar gegenüber der bekannteren Konkurrenz. Fragt ein Nutzer eine KI nach „Bergwind Bikes vs. der bekannten Konkurrenzmarke“, findet das System keine eigenen Vergleichsinhalte von Bergwind Bikes – wohl aber einen ausführlichen Vergleichsartikel, den der Mitbewerber selbst veröffentlicht hat. Die KI stützt sich zwangsläufig auf das, was vorhanden ist, und übernimmt die Einordnung des Wettbewerbers fast eins zu eins. Bergwind Bikes hat nichts falsch gemacht – aber auch nichts Eigenes bereitgestellt, und genau diese Lücke wurde von fremder Seite gefüllt.

Dasselbe gilt für veraltete Informationen. Eine alte Preisliste, eine längst überholte Fallstudie oder eine frühere Positionierung, die irgendwo im Netz noch auffindbar ist, kann von einer KI weiterverwendet werden, obwohl sie intern längst nicht mehr stimmt. Für Kunden entsteht daraus eine falsche Erwartung – und für dein Unternehmen im schlimmsten Fall ein Vertrauensproblem, noch bevor der erste echte Kontakt überhaupt stattgefunden hat.

Was passiert, wenn Marke und Tagesgeschäft auseinanderdriften

Ein zweiter Effekt betrifft die interne Konsistenz. Weil jeder veröffentlichte Textbaustein – ein Blogartikel, ein Landingpage-Text, ein Social-Media-Post, ein Whitepaper – potenziell zum Markenbaustein wird, lassen sich operative Kommunikation und Markenführung nicht mehr sauber trennen. Eine kurzfristige Werbekampagne, die ohne Rückbindung an die eigentliche Markenessenz entsteht, kann Formulierungen erzeugen, die der sonstigen Positionierung widersprechen. Nutzt eine Abteilung für ein Produkt drei unterschiedliche Namen, beschreibt eine Landingpage eine Leistung anders als der Blog, oder wechselt die Kernbotschaft von Kampagne zu Kampagne – all das verschwimmt in einer KI-Antwort zu einem unscharfen, austauschbaren Gesamtbild.

Gleichzeitig gilt: Was nirgends öffentlich und klar beschrieben ist, existiert aus Sicht einer KI praktisch nicht. Eine Leistung, die dein Unternehmen zwar anbietet, aber nie ausführlich dokumentiert hat, wird in KI-Antworten schlicht nicht erwähnt – unabhängig davon, wie gut sie tatsächlich ist. Starke, in vielen Quellen konsistent wiederholte Positionierungen werden dagegen überproportional sichtbar. Wer sich nicht klar differenziert, läuft Gefahr, in einer generischen, kaum unterscheidbaren Beschreibung unterzugehen – während standardisierte KI-Antworten die Vergleichbarkeit zwischen Marken insgesamt erhöhen.

Den eigenen Status quo testen: der erste konkrete Schritt

Bevor du irgendetwas änderst, solltest du wissen, wie deine Marke aktuell von KI-Systemen beschrieben wird. Ein einfacher Einstieg: Stelle in ChatGPT, Copilot oder dem KI-Modus der Google Suche die Frage „Wer ist [deine Marke] und wofür ist sie bekannt?“ – und wiederhole das aus verschiedenen Perspektiven: als kaufinteressierte Person, als potenzielle Bewerberin, als Journalist, als möglicher Geschäftspartner. Achte darauf, welche Quellen genannt werden, welche Leistungen im Vordergrund stehen und ob veraltete oder schlicht falsche Informationen auftauchen. Diese Analyse zeigt oft schon nach wenigen Prompts, wo die größten Lücken liegen.

Vom Testen zum Handeln: die eigene Faktenbasis stärken

Aus dem Test ergeben sich konkrete Baustellen. Häufig braucht es zuerst strategische Klarheit: Welches Problem löst du für wen, welche Werte vertritt dein Unternehmen, und was unterscheidet dich wirklich von der Konkurrenz? Erst danach lohnt es sich, diese Klarheit auch inhaltlich sichtbar zu machen – etwa über ausführliche Pillar Pages zu deinen Kernleistungen, ehrliche Vergleichsinhalte nach dem Muster „Deine Marke vs. Alternative X: Für wen passt was?“ oder Referenzen und Case Studies mit belegbaren Ergebnissen.

Ein zunehmend wichtiges Element ist dabei eine sogenannte Grounding-Page: eine zentrale, gut strukturierte Seite, auf der Unternehmensdaten, Leistungsportfolio, Markenversprechen und aktuelle Kennzahlen gebündelt und aktuell gehalten werden. Sie dient als verlässlicher Ankerpunkt, auf den sich sowohl Menschen als auch KI-Systeme stützen können. Mit einem Grounding Page Tester lässt sich prüfen, ob diese Faktenbasis für KI-Systeme überhaupt gut auswertbar aufbereitet ist. Ergänzend solltest du Branchenverzeichnisse und Bewertungsplattformen aktuell halten, aktiv Presse- und Fachbeiträge platzieren und Kooperationen oder Interviews nutzen, um deine Expertise auch außerhalb der eigenen Kanäle sichtbar zu machen.

KI als Werkzeug nutzen – ohne die Kontrolle zu verlieren

Künstliche Intelligenz kann bei der Markenarbeit selbst wertvolle Dienste leisten: für Ideenfindung entlang der Customer Journey, für erste Textentwürfe, die anschließend markenkonform überarbeitet werden, oder für die Auswertung großer Datenmengen, um typische Fragen und Probleme deiner Zielgruppe zu erkennen. Wichtig ist dabei eine klare Leitplanke: Ein internes Regelwerk aus Tonalität, Kernbotschaften und No-Gos sorgt dafür, dass Stil und Markenversprechen konsistent bleiben, egal ob ein Text von einer Mitarbeiterin oder mit KI-Unterstützung entsteht. Genauso wichtig sind definierte Freigabeprozesse und Schulungen, damit KI-Nutzung im Unternehmen nicht zum unkoordinierten Wildwuchs wird. Wer sich systematisch mit diesem Thema auseinandersetzt, findet im Ratgeber zur Generative Engine Optimization vertiefende Ansätze, wie Inhalte gezielt für KI-gesteuerte Suchsysteme aufbereitet werden können.

Bei allem technischen Fortschritt bleibt eine menschliche Komponente entscheidend: Zentrale Markenbotschaften wirken am glaubwürdigsten, wenn sie durch echte Stimmen aus dem Unternehmen transportiert werden – durch Führungskräfte, Fachleute und zufriedene Kunden. Automatisierte, personalisierte Kommunikation und erkennbare menschliche Handschrift schließen sich nicht aus, sie sollten sich sinnvoll ergänzen.

Fazit: Wer nicht definiert, wofür er steht, überlässt es anderen

Künstliche Intelligenz verändert nicht, wer eine Marke im Kern ist. Sie verändert aber massiv, wie sichtbar, vergleichbar und interpretierbar diese Marke im digitalen Raum wird. KI wirkt dabei wie ein Verstärker vorhandener Signale im Web – im positiven wie im negativen Sinn. Unternehmen, die ihre Positionierung klar definieren, konsistent kommunizieren und ihre Faktenbasis aktuell halten, werden auch in KI-Antworten präzise und differenziert dargestellt. Wer die Markenarbeit dagegen dem Zufall überlässt oder nur punktuell mit einzelnen KI-Tools experimentiert, riskiert ein Markenbild, das andere für ihn geformt haben. Genau deshalb gehört Markenarbeit heute in die Chefetage: als laufende Aufgabe, nicht als Projekt, das man alle paar Jahre einmal anstößt.

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