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302 Weiterleitung

cropped klaus kirnbauer

Eine 302 Weiterleitung ist ein temporärer HTTP-Statuscode, der einem Browser oder einem Suchmaschinen-Crawler mitteilt: „Diese Seite ist vorübergehend unter einer anderen Adresse erreichbar — merke dir aber die ursprüngliche URL.“ Im Gegensatz zur dauerhaften 301 Weiterleitung signalisiert die 302, dass die Verschiebung nicht endgültig ist und die ursprüngliche Adresse zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktiv sein wird.

Geschichte und Entstehung

Der Statuscode 302 ist so alt wie das Web selbst. Er wurde im Mai 1996 im RFC 1945 definiert, dem ersten offiziellen Standard für HTTP/1.0 (das Hypertext Transfer Protocol). Damals hieß der Code noch „Moved Temporarily“ — also „vorübergehend verschoben“. Schon damals war das Konzept klar: Ein Server teilt dem anfragenden Client mit, dass die gesuchte Ressource gerade woanders zu finden ist, die ursprüngliche Adresse aber weiterhin gültig bleibt.

Mit dem HTTP/1.1-Standard, der 1999 als RFC 2616 veröffentlicht wurde, bekam der 302er seinen heute gebräuchlichen Namen: „Found“. Gleichzeitig führte HTTP/1.1 zwei neue Codes ein — 307 Temporary Redirect und 303 See Other —, um eine technische Unklarheit rund um die Methode beim Weiterleiten von Formulardaten zu beheben. Dazu gleich mehr.

Wie eine 302 Weiterleitung technisch funktioniert

Wenn du eine URL aufrufst — zum Beispiel beispiel-seite.at/angebot — schickt dein Browser eine Anfrage an den Webserver. Antwortet der Server mit dem Statuscode 302, fügt er im HTTP-Response-Header einen sogenannten Location-Header hinzu. Dieser enthält die Adresse, an die du tatsächlich weitergeleitet werden sollst, zum Beispiel beispiel-seite.at/sommer-aktion. Dein Browser folgt dieser Angabe automatisch und ruft die neue Seite auf — ohne dass du etwas merkst.

Der entscheidende Unterschied zur 301-Weiterleitung: Dein Browser und Suchmaschinen-Crawler speichern die neue Adresse nicht als dauerhaft. Die ursprüngliche URL beispiel-seite.at/angebot bleibt im Gedächtnis des Systems als eigentliche, bevorzugte Adresse erhalten.

Eine technische Besonderheit betrifft Formulare: Wenn ein Nutzer ein Formular per POST-Anfrage abschickt und der Server daraufhin mit einer 302 antwortet, wechseln die meisten Browser die Anfragemethode auf GET — was technisch gesehen nicht der ursprünglichen HTTP/1.0-Spezifikation entsprach. Wer dieses Verhalten gezielt steuern will, sollte auf den 307 Temporary Redirect zurückgreifen, der die ursprüngliche Anfragemethode beibehält.

Sinnvolle Anwendungsfälle

Die 302 Weiterleitung ist kein Notbehelf, sondern ein gezieltes Werkzeug — wenn du sie richtig einsetzt. Typische und legitime Szenarien:

Du schickst Besucher auf eine Wartungsseite, während deine Website aktualisiert wird — Suchmaschinen wissen dadurch, dass die ursprüngliche Seite bald zurückkommt. Du leitest Nutzer vor saisonalen Aktionen wie einem Weihnachtsangebot auf eine Promo-Seite um und entfernst die Weiterleitung nach dem Aktionszeitraum wieder. Du führst einen A/B-Test durch: Ein Teil deiner Besucher landet auf einer alternativen Version der Seite, ohne dass Suchmaschinen die Testversion als dauerhaft betrachten. Du leitest nicht eingeloggte Nutzer auf eine Login-Seite um, wenn sie auf einen geschützten Bereich zugreifen wollen. Oder du nutzt die 302 für eine Geo-Weiterleitung — also wenn jemand aus Deutschland auf deine österreichische Domain trifft und du ihn vorübergehend auf eine lokalisierte Version umleitest.

Bedeutung für SEO

Lange galt in SEO-Kreisen die Daumenregel: 302 ist schlecht, weil sie kein „Link Equity“ (die Ranking-Kraft, die ein Link überträgt) weitergibt. Dieses Bild hat sich seit 2016 verändert. Gary Illyes, damals Webmaster Trends Analyst bei Google, stellte im Juli 2016 klar, dass 30x-Weiterleitungen grundsätzlich keinen PageRank verlieren — das gilt also auch für die 302. John Mueller, Google Search Advocate, erklärte dazu: Google nutze Weiterleitungen, um eine Canonical URL zu bestimmen, also die bevorzugte Version einer Seite, der dann die Signale aller verlinkten Varianten zugerechnet werden.

Trotzdem gibt es einen wichtigen Unterschied: Bei einer 302 bleibt die ursprüngliche URL in Googles Index als bevorzugte Adresse eingetragen. Das ist bei temporären Verschiebungen erwünscht — denn du willst ja, dass die alte Seite wieder erscheint. Bei einer dauerhaften Verschiebung wäre das jedoch ein Problem: Google indexiert nicht die neue URL, sondern behält die alte bei. Verwendest du also irrtümlich eine 302, wo eine 301 nötig wäre, kann es dazu kommen, dass Ranking-Signale nicht vollständig auf die neue Seite übertragen werden.

Ein weiteres SEO-Thema sind Redirect-Ketten: Wenn Seite A auf B weiterleitet, B auf C und C auf D, kostet jede Weiterleitung Ladezeit und kann das Crawl-Budget belasten — das ist die Anzahl der Seiten, die Googlebot pro Zeitraum auf deiner Website durchsucht. Ob 301 oder 302: Direkte, einzelne Weiterleitungen sind immer besser als Ketten.

Häufige Fehler

Der klassische Fehler ist, eine 302 für eine dauerhafte Änderung zu verwenden — weil es schneller geht oder weil man den Unterschied nicht kennt. Wenn du eine Seite dauerhaft umbenennt oder eine Domain migrierst, gehört dort eine 301. Einige SEO-Tools markieren alle 302-Weiterleitungen pauschal als Fehler, was nicht korrekt ist. Eine 302, die bewusst und temporär eingesetzt wird, ist kein Problem — eine 302, die seit Jahren auf die neue, eigentlich permanente Seite zeigt, schon.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen 301 und 302 Weiterleitung?

Eine 301 Weiterleitung signalisiert, dass eine Seite dauerhaft an eine neue Adresse umgezogen ist — Suchmaschinen übertragen die Ranking-Signale auf die neue URL und entfernen die alte aus dem Index. Eine 302 Weiterleitung bedeutet nur, dass die Seite vorübergehend woanders erreichbar ist; Suchmaschinen behalten die ursprüngliche URL als bevorzugte Adresse im Index.

Verliert man durch eine 302 Weiterleitung Rankings bei Google?

Wenn die 302 korrekt für einen temporären Zweck eingesetzt wird, nicht zwingend. Google-Vertreter Gary Illyes bestätigte im Juli 2016, dass 30x-Weiterleitungen keinen PageRank verlieren. Entscheidend ist aber: Bei einer 302 bleibt die ursprüngliche URL als Canonical eingetragen, nicht die Ziel-URL — das kann ein Problem sein, wenn die Verschiebung eigentlich dauerhaft ist.

Wie lange darf eine 302 Weiterleitung aktiv bleiben?

Dafür gibt es keine feste Zeitgrenze, aber die Daumenregel lautet: So kurz wie nötig. Bleibt eine 302 Weiterleitung über viele Monate oder Jahre aktiv, kann Google sie irgendwann wie eine permanente Weiterleitung behandeln — dann aber ohne die Klarheit und Verlässlichkeit einer sauber gesetzten 301.