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302 Weiterleitung

cropped klaus kirnbauer

Eine 302 Weiterleitung ist ein HTTP-Statuscode, der dem Browser und Suchmaschinen mitteilt, dass eine Seite vorübergehend unter einer anderen Adresse zu finden ist. Im Gegensatz zur dauerhaften 301-Weiterleitung signalisiert die 302, dass die ursprüngliche URL bald wieder aktiv sein wird und sich nichts grundlegend geändert hat.

Wie funktioniert eine 302 Weiterleitung technisch?

Wenn du eine URL aufrufst und der Server mit dem Statuscode 302 antwortet, schickt er gleichzeitig eine neue Ziel-URL im sogenannten Location-Header mit. Dein Browser liest diesen Header und ruft automatisch die neue Adresse auf — du merkst davon in der Regel gar nichts. Der gesamte Vorgang passiert im Hintergrund und dauert Millisekunden.

Das Besondere: Der Browser merkt sich dabei die ursprüngliche URL. Beim nächsten Besuch ruft er wieder die alte Adresse auf, anstatt direkt zur neuen zu gehen. Genau das unterscheidet die 302 von einer permanenten Weiterleitung.

Im HTTP-Protokoll gehört die 302 zur Gruppe der 3xx-Statuscodes, also jener Codes, die eine Weiterleitung anzeigen. Der offizielle Name des Codes lautet „Found“ — auf Deutsch etwa: „Gefunden, aber gerade woanders.“

Geschichte: Wie die 302 entstand

Die 302 gibt es seit dem HTTP/1.0-Standard aus dem Jahr 1996, wo sie noch den Namen „Moved Temporarily“ trug. Damals war sie der einzige standardisierte Code für temporäre Weiterleitungen.

Ein Problem tauchte schnell auf: Laut HTTP/1.0-Spezifikation sollte ein Browser bei einer 302-Antwort die ursprüngliche Anfragemethode beibehalten. Wurde eine Seite also per POST-Anfrage aufgerufen (z. B. beim Abschicken eines Formulars), sollte der Browser die Weiterleitung ebenfalls per POST verfolgen. Die meisten Browser ignorierten das und wechselten einfach auf GET — was in manchen Fällen zu Fehlern führte.

Um diese Unklarheit zu beseitigen, führte HTTP/1.1 im Jahr 1999 zwei neue Codes ein: 303 (See Other) für Weiterleitungen, die ausdrücklich auf GET wechseln sollen, und 307 (Temporary Redirect) für Weiterleitungen, die die ursprüngliche Methode zwingend beibehalten. Die 302 blieb im Standard erhalten und wird aus Kompatibilitätsgründen bis heute von vielen Webframeworks verwendet.

Typische Einsatzgebiete

Die 302 ist immer dann die richtige Wahl, wenn eine Umleitung wirklich nur vorübergehend gilt. Klassische Anwendungsfälle sind etwa Wartungsseiten: Wenn deine Website für ein paar Stunden offline ist, kannst du Besucher per 302 auf eine Hinweisseite schicken, ohne dass Suchmaschinen die Originalseite aus dem Index nehmen.

Ein weiteres häufiges Szenario sind A/B-Tests: Ein Teil der Besucher wird per 302 auf eine Testvariante einer Seite weitergeleitet, um zum Beispiel zwei verschiedene Layouts zu vergleichen. Weil Suchmaschinen die Originalseite weiterhin als maßgebliche URL behandeln, bleibt das Ranking unberührt.

Auch geographische Weiterleitungen funktionieren gut mit der 302: Besucher aus Österreich landen automatisch auf beispiel-seite.at/at/, während Besucher aus Deutschland auf beispiel-seite.at/de/ landen — und die Basisadresse bleibt die kanonische.

Saisonale Aktionsseiten sind ein weiteres gutes Beispiel: Eine Black-Friday-Landingpage, die außerhalb der Aktionszeit nicht erreichbar ist, kann das restliche Jahr über per 302 auf die allgemeine Angebotsseite weiterleiten. Die eigentliche Aktions-URL bleibt dabei indexiert und kann jedes Jahr wieder ranken.

302 vs. 301 – der wichtigste Unterschied

Der Kern-Unterschied liegt in der Signalwirkung: Die 301-Weiterleitung sagt „Diese Seite ist permanent umgezogen, aktualisiere deine Referenzen.“ Die 302-Weiterleitung sagt „Diese Seite ist vorübergehend woanders, komm später nochmal zur Originaladresse.“

Für Suchmaschinen bedeutet das: Bei einer 301 übernimmt die neue URL langfristig die Position im Index. Bei einer 302 bleibt die alte URL die Referenz — Suchmaschinen merken sich sie und versuchen beim nächsten Crawl erneut, die ursprüngliche Adresse abzurufen.

Browser verhalten sich ähnlich: Eine 301-Weiterleitung wird oft im Cache gespeichert, sodass der Browser sie ohne neuen Server-Kontakt direkt verfolgt. Eine 302 wird in der Regel nicht gecacht — der Browser fragt beim nächsten Besuch wieder nach.

SEO-Auswirkungen der 302 Weiterleitung

In der SEO-Community kursiert seit Jahren die Ansicht, dass eine 302 keinerlei PageRank (also Linkwert) überträgt. Das stimmt so nicht mehr. Googles John Mueller hat klargestellt, dass Google PageRank durch 302-Weiterleitungen weitergeben kann, weil der Algorithmus intern eine kanonische URL auswählt und Signale darauf konzentriert. Googles Gary Illyes bestätigte 2016, dass 30x-Weiterleitungen generell keinen PageRank mehr verlieren.

Der entscheidende Unterschied liegt aber in der Absicht: Weil die 302 eine temporäre Situation signalisiert, behandelt Google die Ausgangs-URL weiterhin als die eigentliche Seite. Das bedeutet: Die neue URL taucht nicht als Canonical im Index auf, solange die Weiterleitung als temporär eingestuft wird.

Das kann ein Problem werden, wenn jemand aus Versehen eine 302 statt einer 301 für eine dauerhafte URL-Änderung einsetzt. Suchmaschinen indexieren dann weiterhin die alte Adresse, die neue bekommt nicht die verdiente Sichtbarkeit. Kein Penalty, aber das falsche Signal — mit derselben Auswirkung.

Ein weiterer Punkt: Wenn eine 302 über sehr lange Zeit aktiv bleibt, kann Google sie irgendwann wie eine 301 behandeln. Der Zeitpunkt ist aber unvorhersehbar. Die Faustregel lautet deshalb: Wer eine permanente Änderung meint, setzt eine 301. Wer wirklich eine temporäre Situation hat, nimmt eine 302.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen 301 und 302 Weiterleitung?

Eine 301-Weiterleitung signalisiert eine dauerhafte Umleitung: Suchmaschinen und Browser merken sich die neue URL und behandeln sie als kanonische Adresse. Eine 302-Weiterleitung ist temporär – Browser und Suchmaschinen behalten die ursprüngliche URL als Referenz und fragen beim nächsten Besuch erneut nach.

Schadet eine 302 Weiterleitung dem SEO?

Direkt bestraft wird eine 302 von Google nicht. Das Problem entsteht, wenn du eine 302 für eine dauerhafte URL-Änderung verwendest: Suchmaschinen indexieren dann weiterhin die alte Adresse, und die neue URL bekommt keine Sichtbarkeit im Index. Wer eine permanente Änderung meint, sollte eine 301 verwenden.

Wann sollte ich eine 302 statt einer 301 Weiterleitung verwenden?

Eine 302 ist die richtige Wahl, wenn die Umleitung wirklich nur vorübergehend gilt – zum Beispiel bei Wartungsarbeiten, A/B-Tests, saisonalen Aktionsseiten oder geografischen Weiterleitungen. Sobald die Änderung dauerhaft ist, solltest du auf eine 301 wechseln.