Above the Fold bezeichnet den Bereich einer Webseite, der beim Laden sofort sichtbar ist — ohne dass du auch nur einmal scrollst. Was du direkt siehst, ist above the fold. Was du erst durch Scrollen erreichst, liegt darunter, also below the fold.
Woher kommt der Begriff?
Der Ausdruck stammt aus dem Zeitungswesen. Gedruckte Tageszeitungen wurden auf Verkaufsständern gefaltet präsentiert, sodass nur die obere Hälfte der Titelseite sichtbar war. Verleger und Redakteure wussten: Was oberhalb dieser Falzkante liegt, entscheidet, ob jemand die Zeitung kauft. Deshalb wanderten die wichtigsten Schlagzeilen, die stärksten Fotos und die größten Storys nach oben.
Als Medienunternehmen in den 1990er-Jahren begannen, ihre Inhalte ins Web zu bringen, nahmen Webdesignerinnen und -designer den Begriff mit. Der „Falz“ meinte nun nicht mehr die physische Knitterkante einer Zeitung, sondern die untere Grenze des Browserfensters.
Was gilt als „above the fold“ im Web?
Es gibt keine universelle Pixelzahl, die für alle gilt. Der Bereich, den du ohne Scrollen siehst, hängt von Bildschirmgröße, Browserauflösung, installierten Symbolleisten und Gerät ab. Als grober Richtwert hat sich unter Webdesignern lange eine Fensterhöhe von rund 600 Pixeln bei einer Breite von 1.000 Pixeln eingebürgert — das entsprach der damals verbreiteten Monitorauflösung von 1.024 × 768 Pixeln.
Heute ist das Bild deutlich uneinheitlicher. Du kannst eine Website auf einem Laptop mit 1.920 × 1.080 Pixeln, auf einem Tablet im Querformat oder auf einem Smartphone im Hochformat öffnen — überall liegt die Foldlinie woanders. Moderne Webseiten setzen deshalb auf Responsive Design, also auf Layouts, die sich an die jeweilige Bildschirmgröße anpassen.
Warum ist der Bereich so wichtig?
Above the fold ist das erste, was du siehst, wenn du eine Seite öffnest. Studien des Nielsen Norman Group zeigen, dass Nutzerinnen und Nutzer im Jahr 2010 noch 80 Prozent ihrer gesamten Blickzeit im sichtbaren Bereich verbrachten. In einer neueren Untersuchung aus dem Jahr 2018 lag dieser Wert bei 57 Prozent — der Rückgang erklärt sich dadurch, dass gut gestaltete Seiten heute gezielt zum Scrollen einladen. Der Abfall in der Aufmerksamkeit nach dem Scrollen ist aber geblieben: 74 Prozent der gesamten Betrachtungszeit entfielen in dieser Studie auf die ersten zwei Bildschirmlängen.
Was bedeutet das praktisch? Du hast wenige Sekunden, um einer Besucherin oder einem Besucher zu zeigen, worum es auf deiner Seite geht. Wer nichts Interessantes sieht, scrollt nicht weiter — und ist weg.
Was gehört above the fold?
Das hängt vom Zweck der Seite ab. Sinnvoll positioniert sind dort in der Regel: der Markenname und das Logo, eine klare Hauptüberschrift die erklärt, was die Seite bietet, ein zentraler Call-to-Action (kurz CTA — also eine Aufforderung wie „Jetzt kaufen“, „Kostenlos testen“ oder „Mehr erfahren“), eine Navigation und gegebenenfalls ein starkes Bild oder eine kurze Erklärung des Angebots. Der häufigste Fehler ist Überfüllung: zu viele Informationen, zu viele Buttons, zu viel Text — das führt dazu, dass nichts davon wirklich hängenbleibt.
Above the Fold und SEO
Google bezieht den sichtbaren Seitenbereich aktiv in seine Bewertung ein. Am 19. Januar 2012 rollte Google den sogenannten Page Layout Algorithm aus, intern auch als „Top Heavy Update“ bekannt. Dieser Algorithmus bewertete Seiten herab, die den above-the-fold-Bereich mit zu vielen Werbeanzeigen vollpackten und den eigentlichen Inhalt weit nach unten verdrängten. Das Update traf nach Googles eigenen Angaben damals weniger als 1 Prozent aller Suchanfragen — wurde aber in weiteren Versionen am 9. Oktober 2012 und am 6. Februar 2014 weiterentwickelt und ist heute fester Bestandteil des Kernsystems.
Googles Aussage damals war eindeutig: Wer eine Seite öffnet und erst einmal durch Werbeblöcke scrollen muss, bevor er zum eigentlichen Inhalt kommt, erlebt keine gute Suchresultat-Qualität. Seiten mit wenig sichtbarem Inhalt above the fold können daher schlechter ranken.
Zusätzlich spielt Mobile-First Indexing eine Rolle: Google bewertet und indexiert Seiten heute primär auf Basis der mobilen Version. Was auf dem Smartphone above the fold liegt, ist für die Suchmaschinenoptimierung besonders relevant.
Scrollt heute überhaupt noch jemand?
Ja — aber der above-the-fold-Bereich bleibt trotzdem entscheidend. Nutzerstudien zeigen, dass Menschen heute viel selbstverständlicher scrollen als in den frühen Jahren des Webs, als langsame Verbindungen und unhandliche Scrollbars das Scrollen erschwerten. Der Inhalt above the fold entscheidet aber nach wie vor darüber, ob überhaupt gescrollt wird. Ist der erste sichtbare Bereich leer, unübersichtlich oder irrelevant, verlässt ein Großteil der Besucherinnen und Besucher die Seite sofort.
Häufige Fragen
Was genau ist „above the fold“ auf einer Website?
Above the fold ist der Teil einer Webseite, den du sofort siehst, wenn sie lädt — ohne zu scrollen. Alles, was du erst nach unten scrollen musst, liegt below the fold. Der genaue Bereich variiert je nach Gerät, Bildschirmgröße und Browser.
Wie viel Prozent der Nutzer scrollen überhaupt nach unten?
Laut einer Eyetracking-Studie des Nielsen Norman Group aus dem Jahr 2018 verbringen Nutzerinnen und Nutzer rund 57 Prozent ihrer Blickzeit im above-the-fold-Bereich. Das bedeutet: Der Rest der Seite bekommt Aufmerksamkeit — aber deutlich weniger. Ob jemand überhaupt scrollt, hängt stark davon ab, ob der erste sichtbare Bereich Interesse weckt.
Kann eine Seite von Google abgestraft werden, weil zu viele Werbeanzeigen above the fold stehen?
Ja, das ist möglich. Googles Page Layout Algorithm, der erstmals im Januar 2012 eingeführt wurde, kann Seiten schlechter bewerten, wenn der sichtbare Bereich beim ersten Laden hauptsächlich aus Werbeanzeigen besteht und der eigentliche Inhalt dadurch weit nach unten verdrängt wird. Normale Werbeplatzierung above the fold ist davon nicht betroffen — nur ein übertriebenes Verhältnis von Werbung zu Inhalt.