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Barrierefreiheit

cropped klaus kirnbauer

Barrierefreiheit bedeutet, dass Angebote möglichst ohne Hindernisse genutzt werden können. Im Internet spricht man von digitaler Barrierefreiheit, wenn Websites, Apps und andere digitale Inhalte auch für Menschen mit Behinderungen wahrnehmbar, verständlich und bedienbar sind.

Was bedeutet Barrierefreiheit im Internet?

Eine digitale Barriere kann entstehen, wenn eine Website nur mit der Maus bedienbar ist, Texte einen zu geringen Farbkontrast haben oder Bilder wichtige Informationen enthalten, für die eine Textalternative fehlt. Auch komplizierte Formulare, unklare Überschriften oder Videos ohne Untertitel können den Zugang erschweren.

Betroffen sind Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen. Dazu zählen etwa Seh-, Hör- oder Bewegungseinschränkungen sowie kognitive und neurologische Behinderungen. Barrierefreie Gestaltung kann außerdem Menschen helfen, die nur vorübergehend eingeschränkt sind oder eine Website unter schwierigen Bedingungen nutzen.

Ein wichtiges Hilfsmittel ist der Screenreader. Diese Software liest Texte und Informationen der Benutzeroberfläche vor oder gibt sie über eine Braillezeile aus. Damit solche Hilfsmittel eine Seite richtig erfassen können, braucht die Website eine saubere technische und inhaltliche Struktur.

Welche Regeln geben die WCAG vor?

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind internationale Richtlinien für barrierefreie Webinhalte. Sie werden von der Web Accessibility Initiative des World Wide Web Consortium (W3C) entwickelt. Die erste Version WCAG 1.0 erschien am 5. Mai 1999. WCAG 2.0 folgte am 11. Dezember 2008, WCAG 2.2 wurde am 5. Oktober 2023 als W3C-Empfehlung veröffentlicht. Das W3C empfiehlt, für neue Projekte die jeweils aktuelle WCAG-Version zu verwenden.

Die WCAG beruhen auf vier Grundprinzipien: Inhalte sollen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und technisch robust sein. Daraus entstehen konkrete Erfolgskriterien. Es gibt die Konformitätsstufen A, AA und AAA, wobei höhere Stufen zusätzliche Anforderungen enthalten.

In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, dass Funktionen per Tastatur erreichbar sein sollten, Texte ausreichend Kontrast benötigen und Bedienelemente eindeutig bezeichnet werden müssen. Für informative Bilder sind passende Alt-Texte wichtig. Rein dekorative Bilder können dagegen eine leere Textalternative erhalten.

Welche Regeln gelten in Österreich?

Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Österreich das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG). Es setzt die europäische Richtlinie 2019/882, den European Accessibility Act (EAA), in österreichisches Recht um. Das Gesetz betrifft bestimmte Produkte und Dienstleistungen, darunter auch Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr. Eine Unternehmenswebsite fällt daher nicht allein deshalb automatisch unter das BaFG, weil sie im Internet erreichbar ist. Entscheidend ist, welche Produkte oder Dienstleistungen angeboten werden.

Für Kleinstunternehmen gibt es eine wichtige Ausnahme: Bieten sie Dienstleistungen an, sind sie vom BaFG ausgenommen. Als Kleinstunternehmen gelten dabei Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und einem Jahresumsatz oder einer Jahresbilanzsumme von höchstens zwei Millionen Euro.

Was hat Barrierefreiheit mit SEO zu tun?

Barrierefreiheit und Suchmaschinenoptimierung (SEO) verfolgen unterschiedliche Ziele, überschneiden sich aber bei einigen Maßnahmen. Eine klare Überschriftenstruktur und verständliche Inhalte helfen Nutzerinnen und Nutzern bei der Orientierung. Aussagekräftige Alt-Texte machen Bildinhalte für Menschen mit Sehbehinderungen zugänglicher und helfen laut Google gleichzeitig dabei, Bilder und deren Zusammenhang mit dem Seiteninhalt zu verstehen.

Eine barrierefreie Website erhält dadurch jedoch nicht automatisch bessere Rankings. Sinnvoll ist es, Barrierefreiheit als eigenen Qualitätsbereich zu betrachten und nicht nur als SEO-Maßnahme. Google Lighthouse trennt beispielsweise Prüfungen für Barrierefreiheit und SEO voneinander.

Wie lässt sich Barrierefreiheit prüfen?

Automatische Prüfprogramme können typische Probleme wie fehlende Alt-Texte oder bestimmte technische Fehler erkennen. Eine vollständige Beurteilung ist damit aber nicht möglich. Das W3C weist darauf hin, dass für viele Anforderungen menschliche Bewertung notwendig ist und automatische Werkzeuge auch falsche oder missverständliche Ergebnisse liefern können.

Deshalb gehören zu einer guten Prüfung auch manuelle Tests. Dazu zählen etwa die Navigation ausschließlich mit der Tastatur, die Kontrolle der Inhalte mit unterstützenden Technologien und Tests mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Nutzerprüfungen und technische WCAG-Prüfungen ergänzen einander, ersetzen sich aber nicht.

Häufige Fragen

Was bedeutet Barrierefreiheit bei einer Website?

Barrierefreiheit bei einer Website bedeutet, dass Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen die Inhalte wahrnehmen und die Funktionen bedienen können. Dazu gehören zum Beispiel Tastaturbedienung, ausreichende Kontraste und passende Textalternativen für Bilder.

Welche WCAG-Version ist aktuell?

WCAG 2.2 ist die aktuelle veröffentlichte Version der Web Content Accessibility Guidelines. Das W3C empfiehlt, für neue Projekte die jeweils aktuelle WCAG-Version zu verwenden.

Muss jede Website in Österreich barrierefrei sein?

Nicht jede Website fällt automatisch unter das österreichische Barrierefreiheitsgesetz. Ob das BaFG gilt, hängt unter anderem davon ab, welche Produkte oder Dienstleistungen ein Unternehmen anbietet und ob eine gesetzliche Ausnahme greift.