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Customer Journey

cropped klaus kirnbauer

Customer Journey (auf Deutsch: „Kundenreise“) bezeichnet den gesamten Weg, den eine Person von der ersten Wahrnehmung einer Marke oder eines Produkts bis hin zur Kaufentscheidung — und oft noch weit darüber hinaus — zurücklegt. Der Begriff fasst alle Touchpoints (Berührungspunkte) zusammen, an denen ein potenzieller Kunde mit einem Unternehmen in Kontakt kommt: ob über eine Google-Suche, einen Social-Media-Post, eine Empfehlung im Bekanntenkreis oder den Besuch im stationären Geschäft.

Woher kommt der Begriff?

Die Grundidee hinter der Customer Journey ist älter als das Internet. Bereits 1898 entwickelte der amerikanische Werbepionier Elmo Lewis das AIDA-Modell, das den Kaufprozess in vier Stufen gliedert: Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Wunsch) und Action (Handlung). Dieses Modell beschreibt schon damals, dass ein Kauf selten spontan passiert, sondern das Ergebnis mehrerer aufeinanderfolgender Schritte ist.

Mit dem Aufkommen des Internets und der digitalen Werbung in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren gewann die Analyse dieser Schritte erheblich an Bedeutung. Plötzlich ließen sich Berührungspunkte messen und nachverfolgen — etwas, das im Offline-Marketing kaum möglich war. Der Begriff „Customer Journey“ etablierte sich als eigenständiges Konzept im Online-Marketing und löste das klassische AIDA-Modell als Leitbild ab, weil er die Komplexität moderner Kaufentscheidungen besser abbildet.

Die Phasen der Customer Journey

In der Praxis wird die Customer Journey in mehrere Phasen unterteilt. Das klassische Modell kennt fünf davon: Die Awareness-Phase (Aufmerksamkeit) ist der Moment, in dem jemand zum ersten Mal von einem Produkt oder einer Marke erfährt — zum Beispiel durch eine Display-Anzeige, einen Freund oder einen Blogartikel. In der Consideration-Phase (Abwägung) beginnt die Person, aktiv zu recherchieren: Sie liest Bewertungen, vergleicht Anbieter und schaut sich Produktvideos an.

Darauf folgt die Purchase-Phase (Kauf), in der die eigentliche Kaufentscheidung fällt. Anschließend setzt die Retention-Phase (Kundenbindung) ein — das Unternehmen versucht, den Kunden zu halten, etwa durch guten Kundenservice oder E-Mail-Newsletter. Die letzte Phase ist Loyalty (Loyalität und Weiterempfehlung): Zufriedene Kunden empfehlen das Produkt weiter und werden so selbst zu einem Touchpoint für andere potenzielle Käufer.

Wichtig zu verstehen ist, dass diese Phasen in der Realität selten linear ablaufen. Jemand kann in der Consideration-Phase zurück zur Awareness springen, wenn er durch eine neue Werbung auf eine alternative Marke aufmerksam wird. Moderne Kundenreisen sind eher kreisförmig als geradlinig.

Touchpoints: Wo findet die Reise statt?

Ein einzelner Touchpoint ist jeder Moment, in dem eine Person mit einer Marke in Berührung kommt. Im Offline-Bereich sind das Plakate, TV-Spots oder Gespräche mit Verkäufern. Im digitalen Bereich zählen dazu Suchergebnisse bei Google, Social-Media-Beiträge, Bewertungsportale, E-Mails, Produktseiten und viele mehr.

Eine Customer Journey kann theoretisch aus mehreren Hundert solcher Touchpoints bestehen und sich über Tage, Wochen oder sogar Monate erstrecken — je nach Produkt und Kaufentscheidung. Der Kauf eines Kaugummis hat eine kürzere Journey als der Kauf eines Autos oder einer Software-Lösung.

Der entscheidende Vorteil im Online-Marketing ist die Messbarkeit: Mit Tracking-Tools wie Google Analytics lässt sich zumindest in Teilen nachvollziehen, über welche Kanäle eine Conversion entstanden ist. Im Offline-Bereich bleibt das meist unklar.

Das See-Think-Do-Care-Modell

Eine in der SEO-Praxis besonders relevante Weiterentwicklung der klassischen Customer Journey ist das See-Think-Do-Care-Modell (kurz: STDC), das Avinash Kaushik in seiner Rolle als Digital Marketing Evangelist bei Google entwickelte. Es unterteilt die Kundenreise ebenfalls in vier Phasen, stellt aber die Absicht (Intent) des Nutzers in den Mittelpunkt — nicht die Unternehmenslogik.

In der See-Phase ist der Nutzer noch nicht auf der Suche nach einem konkreten Produkt, sondern wird erstmals auf eine Marke aufmerksam. Die Think-Phase beschreibt den Moment, in dem jemand beginnt, aktiv nachzudenken und Optionen zu vergleichen. Die Do-Phase entspricht dem konkreten Kaufwunsch — der Nutzer ist bereit zu handeln. Die Care-Phase richtet sich an Bestandskunden, die gehalten und zu Botschaftern gemacht werden sollen.

Für SEO und Content-Marketing ist dieses Modell deshalb nützlich, weil es hilft, Inhalte der Suchintention zuzuordnen: Informierende Blogartikel gehören in die See- und Think-Phase, Produktseiten und transaktionale Keywords in die Do-Phase, und Kundenbindungs-Content in die Care-Phase.

Customer Journey Map

Um die Customer Journey greifbar zu machen, wird sie häufig als Customer Journey Map visualisiert. Das ist eine grafische Darstellung aller Phasen und Touchpoints aus der Perspektive des Nutzers — inklusive seiner Emotionen, Erwartungen und möglicher Frustrationspunkte (sogenannter Pain Points). Eine solche Map zeigt, wo Kunden abspringen, wo sie positiv überrascht werden und welche Berührungspunkte den stärksten Einfluss auf die Kaufentscheidung haben.

Das Erstellen einer Customer Journey Map erfordert Zeit und Daten, liefert aber konkrete Hinweise darauf, welche Bereiche einer Website oder welche Marketingkanäle verbessert werden sollten.

Herausforderungen bei der Messung

So wertvoll die Customer Journey als Konzept ist, so schwierig ist ihre vollständige Messung. Das klassische Tracking über Cookies gerät zunehmend unter Druck: Nutzerinnen und Nutzer löschen Cookies, verwenden Ad-Blocker oder verweigern die Einwilligung zur Datenspeicherung. Wenn jemand auf einem Smartphone recherchiert und dann auf dem Laptop kauft, reißt die Tracking-Kette ab.

Dazu kommt die Frage der Attribution: Welcher Touchpoint hat letztlich zur Kaufentscheidung geführt? Hat der erste Google-Treffer den Ausschlag gegeben, oder war es die Produktrezension auf einem Bewertungsportal drei Tage später? Verschiedene Attributionsmodelle geben darauf unterschiedliche Antworten, und keine Methode bildet die Realität vollständig ab.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Customer Journey und Sales Funnel?

Der Sales Funnel (Verkaufstrichter) beschreibt denselben Prozess aus der Perspektive des Unternehmens: Wie führt man möglichst viele potenzielle Kunden zum Kauf? Die Customer Journey hingegen betrachtet denselben Weg aus der Sicht des Kunden, inklusive seiner Emotionen und Erfahrungen. Außerdem endet die Customer Journey nicht mit dem Kauf, sondern bezieht die Nachkaufphase und Kundenbindung explizit ein.

Wie viele Touchpoints hat eine typische Customer Journey?

Das hängt stark vom Produkt und der Branche ab. Bei einfachen Alltagsprodukten können es wenige Berührungspunkte in kurzer Zeit sein. Bei komplexen Produkten wie Softwarelösungen, Autos oder Immobilien kann eine Customer Journey aus mehreren hundert Touchpoints bestehen und sich über Wochen oder Monate erstrecken.

Warum ist die Customer Journey für SEO relevant?

Weil unterschiedliche Phasen der Kundenreise unterschiedliche Suchanfragen erzeugen. Wer sich in der Awareness-Phase befindet, tippt informierende Fragen in Google ein. Wer kurz vor dem Kauf steht, sucht mit transaktionalen Keywords. Wer die Suchintention je nach Phase kennt und den passenden Content dazu erstellt, spricht Nutzerinnen und Nutzer genau dann an, wenn sie offen dafür sind.