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Google Chrome Comic

cropped klaus kirnbauer

Der Google Chrome Comic ist ein 38-seitiges Comicbuch, das Google im September 2008 anlässlich der Veröffentlichung seines Browsers Google Chrome herausgab. Es erklärt die technischen Grundlagen und Designentscheidungen hinter dem Browser — auf eine Art, die auch ohne Programmierkenntnisse verständlich ist.

Wie es entstand

Google beauftragte für das Projekt den amerikanischen Comiczeichner und -theoretiker Scott McCloud, der 1993 mit dem Buch Understanding Comics bekannt geworden war. Understanding Comics gilt bis heute als eines der einflussreichsten Werke über das Comic als Kommunikationsmedium und gewann 1994 sowohl den Harvey Award als auch den Eisner Award.

Für den Google Chrome Comic interviewte McCloud rund 20 Ingenieure und Produktmanager des Chrome-Teams und übersetzte ihre Erklärungen in Comicform. Die Texte kamen also direkt vom Entwicklungsteam — McCloud übernahm Zeichnungen, Layout, Lettering und die redaktionelle Aufbereitung.

Das Comic war ursprünglich als gedrucktes Exemplar gedacht und wurde an ausgewählte Journalisten und Blogger verschickt. Bevor Google die offizielle Veröffentlichung plante, wurden über Googles eigene Poststelle versehentlich einige Exemplare zu früh nach Europa geschickt. Diese wurden eingescannt und im Netz verbreitet — woraufhin Google den Starttermin des Browsers um einen Tag auf den 2. September 2008 vorzog. Kurz danach stellte Google das Comic auch online zur freien Ansicht bereit, unter einer Creative-Commons-Lizenz (Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 2.5).

Was das Comic erklärt

Der Inhalt dreht sich rund um die technischen Konzepte, die Chrome von damaligen Browsern wie dem Internet Explorer oder Firefox unterscheiden sollte. Ein zentrales Thema ist die Mehrprozess-Architektur: Während damalige Browser alle Tabs in einem einzigen Prozess ausführten, erhielt in Chrome jeder Tab einen eigenen Prozess. Wenn ein Tab abstürzte oder eingefroren war, blieben die anderen unberührt.

Ebenfalls ausführlich behandelt wird die JavaScript-Engine V8, die Google eigens für Chrome entwickelte. V8 übersetzt JavaScript-Code direkt in Maschinencode, statt ihn schrittweise zu interpretieren — was damals eine deutliche Geschwindigkeitssteigerung gegenüber anderen Implementierungen bedeutete.

Weitere Themen sind die Sandbox-Sicherheit (jeder Tab läuft in einer isolierten Umgebung), die Omnibox (die kombinierte Adress- und Suchleiste), der Inkognito-Modus und die Entscheidung, die WebKit-Rendering-Engine von Apple zu übernehmen statt eine eigene zu bauen.

Rezeption und Kritik

Das Comic wurde in der Tech- und Comicwelt gleichermaßen diskutiert. Als Kommunikationsformat war es für ein Unternehmen dieser Größe ungewöhnlich — und genau das sorgte für Aufmerksamkeit. Viele sahen es als gelungenes Beispiel, wie komplexe technische Inhalte zugänglich gemacht werden können.

Kritisch angemerkt wurde, dass der Comic durch zu viele verschiedene Sprecher — über zwanzig Ingenieure kommen zu Wort — stellenweise unübersichtlich wirkt. Manche Abschnitte lasen sich eher wie ein illustriertes Transkript als wie ein echtes Comic, weil die Bilder den Text nicht ausreichend tragen konnten. Trotzdem wird er in Kommunikationsdesign-Diskussionen bis heute als frühes Beispiel für technisches Storytelling zitiert.

Contra Chrome: Eine kritische Antwort

Im Frühjahr 2022 erschien Contra Chrome, ein Webcomic der Künstlerin und Aktivistin Leah Elliott. Ihr Comic lehnt sich stilistisch bewusst an das Original von 2008 an, setzt dem damaligen Versprechen von Transparenz und Offenheit aber eine kritische Gegendarstellung entgegen. Elliott argumentiert darin, dass Chrome aus ihrer Sicht zu einem zentralen Werkzeug der Nutzer-Überwachung und des datengetriebenen Werbegeschäfts von Google geworden ist. Das Original-Comic wurde damit ungewollt zu einer Blaupause für Gegenpropaganda im gleichen Medium.

Das Comic heute

Das Google Chrome Comic ist online unter google.com/googlebooks/chrome weiterhin frei zugänglich. Der gedruckte Hardcover gilt heute als Sammlerstück. Als historisches Dokument zeigt es, welche Probleme damalige Browser hatten und welche Lösungsansätze Chrome 2008 mitbrachte — viele davon sind heute Industriestandard.

Häufige Fragen

Wer hat das Google Chrome Comic gezeichnet?

Das Google Chrome Comic wurde von Scott McCloud gezeichnet, einem US-amerikanischen Comiczeichner, der vor allem durch sein Buch Understanding Comics aus dem Jahr 1993 bekannt ist. Die Texte lieferte das Google-Chrome-Entwicklungsteam.

Wann erschien das Google Chrome Comic?

Das Comic erschien am 2. September 2008, gleichzeitig mit der ersten öffentlichen Beta-Version von Google Chrome. Gedruckte Exemplare wurden vorab an Journalisten und Blogger verschickt.

Was erklärt das Google Chrome Comic?

Es erklärt die technischen Grundlagen von Google Chrome: die Mehrprozess-Architektur (jeder Tab als eigener Prozess), die JavaScript-Engine V8, die Sandbox-Sicherheit sowie die Omnibox und den Inkognito-Modus.