Keyword-Recherche bezeichnet den systematischen Prozess, bei dem du herausfindest, welche Begriffe und Phrasen Menschen in Suchmaschinen wie Google eingeben, wenn sie nach Informationen, Produkten oder Dienstleistungen suchen. Das Ergebnis bildet die Grundlage jeder SEO-Strategie (Suchmaschinenoptimierung): Erst wenn du weißt, wonach deine Zielgruppe sucht, kannst du Inhalte erstellen, die in den Suchergebnissen weit oben erscheinen.
Geschichte: Von Keyword-Stuffing zur Suchintention
In den frühen 1990er Jahren, als Suchmaschinen wie AltaVista, Lycos und Yahoo aufkamen, funktionierte Keyword-Optimierung sehr simpel: Wer einen Begriff öfter auf seiner Seite einbaute als die Konkurrenz, rankte besser. Eine systematische Recherche brauchte es dafür kaum. Dieses Prinzip nennt sich Keyword-Stuffing — das massenhafte Wiederholen von Suchbegriffen — und war lange Zeit eine gängige Taktik.
Mit dem Start von Google 1998 änderte sich das Spielfeld. Der PageRank-Algorithmus von Larry Page und Sergey Brin bewertete nicht nur einzelne Seiten isoliert, sondern berücksichtigte auch, welche anderen Seiten auf sie verlinkten. Qualität begann, Quantität zu schlagen. Dennoch blieb die reine Keyword-Dichte bis Mitte der 2000er ein wichtiger Faktor.
Den eigentlichen Wandel brachten drei Google-Updates: Panda (2011) bestrafte dünne und minderwertige Inhalte, Penguin (2012) richtete sich gegen Spam-Links und manipulative Strategien, und Hummingbird (2013) führte erstmals Sprachverarbeitung ein, die Google erlaubte, den Sinn hinter einer Suchanfrage zu verstehen — nicht nur einzelne Wörter abzugleichen. Seither steht bei der Keyword-Recherche die sogenannte Suchintention (Search Intent) im Mittelpunkt.
Suchintention: Was will der Suchende wirklich?
Hinter jeder Suchanfrage steckt eine Absicht. Man unterscheidet im SEO typischerweise drei Kategorien: informationelle Suchanfragen (jemand will etwas lernen, z.B. „wie funktioniert eine Wärmepumpe“), navigationale Suchanfragen (jemand sucht eine bestimmte Website, z.B. „ORF Sport“) und transaktionale Suchanfragen (jemand will etwas kaufen oder buchen, z.B. „Laufschuhe kaufen Wien“).
Wenn du ein Keyword wählst, ohne die dahinterliegende Intention zu kennen, riskierst du, den falschen Inhaltstyp zu erstellen. Eine Produktseite für ein informationelles Keyword bringt kaum Traffic, weil Google für „wie funktioniert X“ in der Regel Ratgeber-Artikel ausspielt — und umgekehrt.
Short-Tail und Long-Tail: Zwei Welten
Keywords lassen sich nach ihrer Länge und Spezifität in zwei Gruppen einteilen. Short-Tail-Keywords (auch Head-Keywords) sind kurze, allgemeine Begriffe wie „Schuhe“ oder „Versicherung“. Sie haben ein hohes Suchvolumen, aber auch enormen Wettbewerb — gegen etablierte Marken mit großem Budget kommt eine kleine Website hier kaum an.
Long-Tail-Keywords sind längere, spezifischere Phrasen wie „rote Laufschuhe für Frauen mit Knieschmerzen“ oder „Installateur Wien 1030 Notfall“. Laut Daten von Ahrefs machen Keywords mit weniger als zehn Suchanfragen pro Monat rund 95 % aller Keywords in deren Datenbank aus. Gleichzeitig stammt nach Angaben von Moz etwa 70 % des gesamten organischen Suchtraffics aus Long-Tail-Suchanfragen — die schiere Menge der spezifischen Anfragen überwiegt. Der Begriff „Long Tail“ geht auf das 2004 erschienene Buch The Long Tail von Chris Anderson zurück, das ursprünglich wirtschaftliche Nischenstrategien beschrieb.
Der Vorteil von Long-Tail-Keywords liegt nicht nur im geringeren Wettbewerb, sondern auch in der höheren Conversion-Wahrscheinlichkeit: Wer sehr konkret sucht, weiß oft schon genau, was er will — und ist kaufbereiter als jemand, der noch in der Orientierungsphase steckt.
Wie eine Keyword-Recherche in der Praxis abläuft
Eine strukturierte Keyword-Recherche beginnt mit der sogenannten Seed-Definition: Du überlegst, welche Themen deine Website abdeckt und welche Begriffe deine Zielgruppe dafür verwenden könnte. Diese Ausgangsideen — Seed-Keywords — werden dann in spezialisierten Tools erweitert und ausgewertet.
Bei der Analyse achtest du auf drei Kernwerte. Das Suchvolumen zeigt, wie oft ein Begriff pro Monat gesucht wird — ein wichtiger Indikator, aber kein allein entscheidender. Die Keyword Difficulty (KD) gibt an, wie hart umkämpft ein Begriff ist und wie schwierig es wäre, dafür zu ranken. Der CPC (Cost per Click) ist der durchschnittliche Klickpreis in Google Ads und gibt indirekt Auskunft darüber, wie kommerziell wertvoll ein Keyword ist.
Nach dem Sammeln werden Keywords zu thematischen Clustern (Gruppen) zusammengefasst. Dabei gilt: Jede wichtige Suchintention sollte eine eigene Zielseite bekommen, damit sich deine Seiten nicht gegenseitig kannibalisieren — ein Phänomen namens Keyword-Kannibalisierung, bei dem zwei Seiten derselben Website um denselben Begriff konkurrieren und Google keine klare Rangfolge festlegen kann.
Tools für die Keyword-Recherche
Für die Keyword-Recherche stehen sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Werkzeuge zur Verfügung. Der Google Keyword Planner ist Teil von Google Ads und liefert Daten direkt aus dem Google-Werbenetzwerk — er ist kostenlos, erfordert aber ein Google-Ads-Konto. Google Search Console zeigt dir, für welche Begriffe deine bestehende Website bereits gefunden wird. Google Autocomplete und die „Nutzer fragen auch“-Boxen in den Suchergebnissen liefern schnell erste Ideen, wie Menschen in der Praxis suchen.
Unter den kostenpflichtigen Tools zählen Ahrefs, Semrush und SISTRIX zu den verbreitetsten Lösungen im deutschsprachigen SEO-Bereich. Sie bieten umfangreichere Datenbankabfragen, Wettbewerbsanalysen und Keyword-Difficulty-Scores.
Aktuelle Entwicklungen
Mit der Verbreitung von KI-Sprachmodellen und der Einführung von AI Overviews in Google-Suchergebnissen (gestartet 2024) verändert sich die Keyword-Recherche erneut. Immer mehr Suchanfragen werden direkt in der Ergebnisseite beantwortet, ohne dass Nutzer auf eine Website klicken müssen. Das erhöht den Druck, Inhalte zu erstellen, die nicht nur für Suchmaschinen relevant sind, sondern echten Mehrwert bieten — als mögliche Quelle für solche KI-generierten Antworten. Gleichzeitig rückt Topic Clustering in den Vordergrund: Statt einzelner Keywords werden ganze Themenfelder mit einer Hauptseite (Pillar Page) und verknüpften Unterseiten abgedeckt, was Suchmaschinen hilft, die inhaltliche Tiefe einer Website besser zu erkennen.
Häufige Fragen
Wie viele Keywords brauche ich für eine Seite?
Jede Seite sollte auf ein Haupt-Keyword ausgerichtet sein, das die Suchintention am besten abbildet. Ergänzend dazu können mehrere thematisch verwandte Neben-Keywords im Text vorkommen. Wichtig ist, dass alle verwendeten Begriffe dieselbe Suchintention bedienen – sonst konkurrieren verschiedene Seiten gegeneinander.
Was ist der Unterschied zwischen Suchvolumen und Keyword Difficulty?
Das Suchvolumen zeigt, wie oft ein Begriff pro Monat bei Google eingegeben wird. Die Keyword Difficulty (KD) bewertet, wie stark der Wettbewerb für dieses Keyword ist und wie schwierig es wäre, dafür ein Top-Ranking zu erzielen. Ein Keyword mit hohem Suchvolumen und hoher Difficulty ist für kleinere Websites oft unrealistisch – besser ist dann ein Keyword mit geringerem Volumen, aber auch geringerer Konkurrenz.
Muss ich die Keyword-Recherche regelmäßig wiederholen?
Ja. Suchverhalten ändert sich: Neue Produkte, gesellschaftliche Entwicklungen und saisonale Trends beeinflussen, wonach Menschen suchen. Eine Überprüfung der wichtigsten Keywords alle drei bis sechs Monate ist sinnvoll, um Veränderungen im Suchvolumen oder neue Chancen rechtzeitig zu erkennen.