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MySpace

cropped klaus kirnbauer

MySpace war ein soziales Netzwerk, das von August 2003 bis 2008 das meistgenutzte seiner Art weltweit war. Die Plattform ermöglichte es Nutzerinnen und Nutzern, persönliche Profile zu erstellen, Musik hochzuladen, Blogs zu führen und sich mit anderen zu vernetzen. Bekannt wurde sie vor allem als Sprungbrett für Musikerinnen und Musiker, die über MySpace ein Publikum aufbauten, bevor es professionelle Streamingdienste gab.

Entstehung und Gründung

Tom Anderson und Chris DeWolfe, beide Angestellte der Internetmarketingfirma eUniverse (später umbenannt in Intermix Media), gründeten MySpace im Jahr 2003. Brad Greenspan, der Gründer von eUniverse, beaufsichtigte das Projekt. Der erste Prototyp der Website war nach nur zehn Tagen Entwicklungszeit online. Ein entscheidender Startvorteil: MySpace profitierte von eUniverses bereits vorhandener Nutzerbasis von rund 20 Millionen registrierten Personen und E-Mail-Abonnenten, die auf das neue Netzwerk aufmerksam gemacht wurden.

MySpace war nicht das erste soziale Netzwerk. Es orientierte sich zunächst an Plattformen wie Friendster, dem damaligen Marktführer. Friendster hatte 2003 aber einen massiven technischen Einbruch — die Server kamen mit dem Wachstum nicht mit, die Seite lud extrem langsam oder war gar nicht erreichbar. Viele frustrierte Friendster-Nutzer wechselten daraufhin über Mundpropaganda zu MySpace.

Aufstieg zur meistbesuchten Website der Welt

Was MySpace von Konkurrenten unterschied, war die Freiheit bei der Profilgestaltung. Du konntest Hintergrundbilder, Farbschemata und Musik einbinden — ein damals völlig neues Konzept. Als Anderson und DeWolfe bemerkten, dass Musikerinnen und Musiker sowie Musikfans die Plattform besonders intensiv nutzten, schufen sie MySpace Music — und der Traffic explodierte.

2005 war MySpace bereits das beliebteste soziale Netzwerk in den USA und hatte Friendster sowie andere Mitbewerber überholt. 2006 durchbrach die Plattform die Marke von 100 Millionen Nutzerinnen und Nutzern. Laut Wikipedia verzeichnete MySpace zwischenzeitlich bis zu 230.000 neue Mitglieder pro Tag. 2006 überholte MySpace sogar Google als meistbesuchte Website in den USA — ein Meilenstein in der Geschichte des Internets.

Im August 2006 schloss MySpace einen Kooperationsdeal mit Google ab: Google integrierte seine Suche sowie Google AdSense in die Plattform und zahlte MySpace dafür zwischen 2007 und 2010 mindestens 900 Millionen Dollar.

Der Verkauf an News Corporation

Im Juli 2005 kaufte Rupert Murdochs News Corporation MySpace und Intermix für 580 Millionen US-Dollar. Die Übernahme galt damals als Beweis für den enormen Wert sozialer Netzwerke — war aber letztlich auch der Beginn des Niedergangs. Murdochs Strategie, die Werbeeinnahmen durch die Google-Partnerschaft stark zu steigern, führte dazu, dass Seiten langsamer luden und Spam die Plattform überflutete. Ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zufolge wurde kurzfristige Monetarisierung über Nutzererfahrung gestellt — ein fataler Fehler.

MySpace als Musikplattform und Karrierelauncher

Für die Musikbranche war MySpace revolutionär. Bands und Soloartistinnen konnten ihre Songs direkt hochladen, ohne Plattenvertrag oder Radiopromotion. Bekannte Karrieren, die über MySpace ihren Anfang nahmen, stammen von Künstlerinnen wie Lily Allen, Arctic Monkeys und Kate Nash. Das Prinzip war einfach: Wer gefiel, wurde weiterempfohlen — Social Sharing, lange bevor Twitter und Instagram diesen Begriff prägten.

Nach dem Kauf durch News Corporation gründete MySpace sogar ein eigenes Plattenlabel, MySpace Records, um unbekannte Talente von der Plattform zu fördern.

Der Fall: Facebook übernimmt die Führung

Während MySpace wuchs, gewann ein neuer Mitbewerber still an Bedeutung: Facebook. Anfangs nur für College-Studierende zugänglich, überzeugte Facebook mit einem aufgeräumten Design, einfacher Bedienung und dem Fokus auf reale Freundschaften — das genaue Gegenteil von MySpace’s chaotischer, werbeüberladener Oberfläche.

Anzeichen für MySpaces Absturz zeigten sich am 19. April 2008, als Facebook MySpace in den Alexa-Rankings überholte. Seitdem hat MySpace seinen früheren Traffic nie mehr erreicht. Besonders pikant: Im Februar 2005 hatte Mark Zuckerberg MySpace angeboten, Facebook für 75 Millionen Dollar zu kaufen — und MySpace lehnte ab.

MySpace verlor ab 2008 etwa eine Million Besucher pro Monat. 2009 versuchte die Plattform, sich als Musikseite neu zu erfinden. Doch die Maßnahmen kamen zu spät.

Verkauf, Relaunch und langsames Verschwinden

2011 verkaufte News Corporation MySpace an die Werbefirma Specific Media und den Musiker und Schauspieler Justin Timberlake für rund 35 Millionen Dollar — einen Bruchteil des einstigen Kaufpreises. Timberlake sollte dem Netzwerk ein neues Image geben, was 2013 in einem Relaunch mit Fokus auf Musik und Entertainment mündete. Der Versuch blieb ohne nachhaltige Wirkung.

Time Inc. kaufte Viant (die Muttergesellschaft von Specific Media) 2016. Meredith Corporation übernahm wiederum Time Inc. 2018 und gliederte MySpace schließlich 2019 als Teil von Viant Technology aus.

Der Datenverlust 2019

Das wohl symbolträchtigste Kapitel in MySpaces spätem Leben schrieb ein technischer Unfall: Im März 2019 musste das Unternehmen zugeben, sämtliche Musik aus den Jahren 2003 bis 2015 verloren zu haben — ohne dass ein Backup existierte. Als Ursache nannte MySpace eine fehlerhafte Servermigration. Technikjournalist Andy Baio schätzte den Verlust auf rund 50 Millionen Songs von 14 Millionen Künstlerinnen und Künstlern. Neben Audiodateien gingen auch zahlreiche Fotos und Videos verloren — viele davon ohne jede Kopie. Manche Userinnen und User berichteten, dass persönlich bedeutsame Aufnahmen für immer verschwunden seien. Der Vorfall wurde zum Symbol dafür, dass Internetplattformen keine dauerhaften Archive sind.

Aktueller Stand und kulturelles Erbe

Seit Mitte 2024 existiert MySpace vor allem als Archiv — Musik lässt sich nicht mehr abspielen, neue Inhalte wurden seit 2022 nicht mehr veröffentlicht.

Trotzdem hat MySpace bleibende Spuren hinterlassen. Die Plattform bewies, dass soziale Netzwerke Massenphänomene werden können, prägte das Konzept der personalisierten Online-Identität und zeigte der Musikbranche, dass Direktvertrieb an Fans ohne Zwischenhändler funktioniert. 2020 gründete der deutsche Teenager Anton Röhm SpaceHey — ein soziales Netzwerk, das bewusst an das frühe MySpace erinnert, mit anpassbaren Profilen, schlichtem Design und Instant Messaging. Bis Februar 2022 hatten sich bereits über 400.000 Menschen dort registriert.

Bedeutung für Online Marketing

MySpace war die erste Plattform, auf der sich Marken, Bands und Einzelpersonen eine Gefolgschaft aufbauen konnten — lange bevor der Begriff Social Media Marketing geläufig war. Wer eine MySpace-Seite mit vielen Freunden hatte, hatte Reichweite. Das war eine frühe Form dessen, was heute als Influencer Marketing oder Community Building bezeichnet wird. Für Musikerinnen und Musiker war MySpace außerdem die erste Möglichkeit, Streaming-Daten (Abspielhäufigkeit, Kommentare, Profilaufrufe) als Indikator für Popularität zu nutzen — ein Vorläufer der heutigen Plattformanalytics.

Häufige Fragen

Was hat MySpace zum Scheitern gebracht?

Der Niedergang von MySpace hatte mehrere Ursachen: Nach der Übernahme durch News Corporation 2005 stand kurzfristige Werbeoptimierung vor der Nutzererfahrung — die Seite wurde langsamer und mit Werbung überladen. Gleichzeitig bot Facebook ein übersichtlicheres Design und einen stärkeren Fokus auf echte soziale Verbindungen. MySpace reagierte zu langsam auf diese Veränderungen.

Welche bekannten Künstlerinnen und Künstler wurden durch MySpace entdeckt?

Arctic Monkeys, Lily Allen und Kate Nash gelten als bekannteste Beispiele für Musikkarrieren, die maßgeblich über MySpace begannen. Die Plattform ermöglichte es Bands, direkt mit Fans in Kontakt zu treten und Songs zu teilen, ohne Plattenvertrag — ein damals völlig neues Modell.

Gibt es MySpace noch?

Die Website ist technisch noch online, funktioniert aber kaum noch. Seit 2019 sind alle Inhalte vor 2015 verloren, die Musikwiedergabe ist deaktiviert, und seit 2022 wurden keine neuen Inhalte mehr veröffentlicht. MySpace existiert heute de facto als inaktives Archiv.