UpScrolled ist eine Social-Media-Plattform aus Australien, die sich als zensurfreie Alternative zu TikTok, Instagram und X positioniert. Die App wurde im Juni 2025 von Issam Hijazi, einem palästinensisch-jordanisch-australischen Softwareentwickler aus Sydney, offiziell gestartet. Ihr zentrales Versprechen: Keine versteckten Algorithmen, kein Shadowbanning (also das heimliche Unterdrücken von Inhalten ohne Benachrichtigung des Nutzers), und kein Verkauf von Nutzerdaten.
Wie UpScrolled funktioniert
Die App unterstützt Textbeiträge, Fotos, Kurzvideos und Stories — von der Grundfunktion her also eine Mischung aus Instagram und X (ehemals Twitter). Der entscheidende Unterschied liegt in der Art, wie Inhalte angezeigt werden.
UpScrolled bietet zwei getrennte Feeds. Der Following Feed zeigt ausschließlich Beiträge der Konten, denen du folgst — und das in streng chronologischer Reihenfolge, also ohne jede algorithmische Umsortierung. Wenn jemand um 09:00 Uhr postet, erscheint dieser Beitrag bei dir vor dem Beitrag, der um 10:00 Uhr veröffentlicht wurde — egal wie populär der spätere Post ist. Der Discover Feed funktioniert anders: Hier werden Beiträge von unbekannten Accounts angezeigt, sortiert nach Likes, Reshares und Kommentaren, mit einem Zeitfaktor und einem zufälligen Element, um auch neuere Inhalte eine Chance zu geben.
Die Moderation von Inhalten soll laut dem Unternehmen ausschließlich menschengeführt und transparent sein — das bedeutet, wenn ein Beitrag entfernt wird, erfährt die betroffene Person den Grund dafür. Hijazi betonte in Interviews, dass er bewusst darauf verzichtet hat, einen suchtfördernden Algorithmus zu entwickeln: „Es ist nicht so, dass wir es nicht könnten — es ist einfach zu machen. Aber ich will das nicht, weil ich weiß, welchen Effekt das auf Menschen hat, besonders auf Jüngere.“
Betrieben wird die Plattform von Recursive Methods Pty Ltd mit Sitz in Australien, die Server stehen in Irland. Die App ist auf iOS und Android verfügbar.
Entstehung und Hintergrund
Die Idee zu UpScrolled entstand Ende 2023, als Hijazi beobachtete, dass Inhalte zur Lage in Gaza auf großen Plattformen wie Meta und TikTok systematisch unsichtbar gemacht wurden. Er hatte zuvor für Technologiekonzerne wie IBM, Oracle und Hitachi gearbeitet — und verließ diese Karriere, um eine eigene Alternative zu entwickeln. Das Projekt wurde vom Tech for Palestine Incubator unterstützt, einem Förderprogramm für Tech-Initiativen mit Palästina-Bezug.
Nach dem offiziellen Launch im Juni 2025 wuchs die Plattform zunächst langsam: Die tägliche Download-Rate lag bei rund 460 Installationen. Das änderte sich schlagartig im Jänner 2026.
Der Durchbruch im Jänner 2026
Am 22. Jänner 2026 wurde bekannt, dass TikToks US-Betrieb an ein Konsortium amerikanischer Unternehmen übergeben wurde — darunter Oracle, dessen Eigentümer Larry Ellison als bekannter Unterstützer Israels gilt. Nutzerinnen und Nutzer, die Zensur von pro-palästinensischen Inhalten befürchteten, wanderten in großer Zahl ab. UpScrolled war eine der wenigen verfügbaren Alternativen.
Laut Daten des App-Tracking-Unternehmens Appfigures wurde die App in nur drei Tagen rund 41.000 Mal heruntergeladen — das entspricht dem 29-fachen der damaligen Tagesdurchschnittswerte. Der Ansturm war so massiv, dass die Server der Plattform vorübergehend zusammenbrachen. Am 29. Jänner 2026 gab Hijazi bekannt, dass UpScrolled die Marke von einer Million Nutzerinnen und Nutzer überschritten hatte; am 2. Februar 2026 waren es bereits 2,5 Millionen. In der Folge kletterte die App auf Platz 1 der meistgeladenen Social-Networking-Apps im US-amerikanischen Apple App Store und auf Platz 2 der gesamten freien App-Charts — direkt hinter ChatGPT. Ähnliche Spitzenpositionen erreichte sie auch in Großbritannien, Kanada und Australien.
Kritik und offene Fragen
Der rasante Wachstum brachte auch Probleme mit sich. Der Google Play Store suspendierte UpScrolled vorübergehend, weil die Moderation mit dem Anstieg nicht Schritt halten konnte und Inhalte auf der Plattform auftauchten, die gegen die Community-Richtlinien verstießen. Forscher des Global Network on Extremism and Technology (GNET) dokumentierten im März 2026 außerdem, dass Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) die offene Struktur der Plattform nutzten, um Propagandamaterial zu verbreiten.
Das Versprechen einer komplett zensurfreien Plattform steht damit in einem grundlegenden Widerspruch: Wer konsequent auf Algorithmen und versteckte Moderation verzichtet, schafft zwangsläufig einen Raum, der auch von extremistischen Gruppen genutzt werden kann. Hijazi hat angekündigt, ein fortschrittlicheres Content-Moderationssystem zu entwickeln — wie sich das mit dem Kernversprechen der Plattform verträgt, bleibt abzuwarten.
Auch die langfristige Tragfähigkeit ist ungesichert. Die Plattform wird von Hijazi und einer kleinen Gruppe privater Investoren finanziert. Ähnliche Gegenentwürfe zu etablierten Social-Media-Giganten — etwa das nach dem Twitter-Kauf durch Elon Musk aufgestiegene Post — konnten ihren Schwung nicht aufrechterhalten und stellten den Betrieb wieder ein.
Bedeutung für Content-Marketing und SEO
Für Unternehmen und Creators ist UpScrolled bisher eine Nischenplattform. Der chronologische Feed bedeutet, dass Reichweite nicht durch Werbebudget oder Algorithmus-Optimierung erkauft werden kann — ein Post erreicht die eigenen Follower direkt. Das ist einerseits fair, andererseits fehlt die algorithmische Verstärkung, die auf TikTok oder Instagram für virales Wachstum sorgt. Wer eine junge, politisch engagierte Zielgruppe ansprechen möchte oder auf Plattformen aktiv sein will, die nicht in Big-Tech-Hände gehören, kann UpScrolled als Ergänzung in Betracht ziehen — als primären Marketingkanal ist die Plattform zum jetzigen Zeitpunkt zu klein und zu wenig etabliert.
Häufige Fragen
Was unterscheidet UpScrolled von TikTok?
TikTok setzt auf einen stark personalisierten Algorithmus, der entscheidet, welche Inhalte du siehst — unabhängig davon, wem du folgst. UpScrolled zeigt im Following Feed ausschließlich Beiträge deiner Abos in chronologischer Reihenfolge, ohne algorithmische Umgestaltung oder bezahlte Reichweitensteigerung.
Was bedeutet Shadowbanning und verzichtet UpScrolled wirklich darauf?
Shadowbanning bezeichnet das heimliche Einschränken der Sichtbarkeit eines Beitrags oder Kontos, ohne die betroffene Person zu informieren. UpScrolled erklärt auf seiner Website ausdrücklich, dass es auf diese Praxis verzichtet und Moderationsentscheidungen stattdessen transparent kommuniziert. Ob das bei weiter steigenden Nutzerzahlen konsequent umsetzbar ist, wird sich erst noch zeigen.
Ist UpScrolled kostenlos und werbefrei?
Ja, die App ist aktuell kostenlos nutzbar und schaltet keine Werbung. Das Unternehmen erklärt, Nutzerdaten nicht an Dritte zu verkaufen. Wie die Plattform langfristig finanziert werden soll, hat UpScrolled bisher nicht im Detail kommuniziert.