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Vivaldi Browser

cropped klaus kirnbauer

Der Vivaldi Browser ist ein kostenloser Webbrowser, der sich durch einen außergewöhnlich hohen Grad an Anpassbarkeit und einen integrierten Werkzeugkasten für anspruchsvolle Nutzerinnen und Nutzer auszeichnet. Er basiert auf der Chromium-Engine Blink, ist damit technisch mit Google Chrome verwandt, verfolgt aber eine völlig eigene Philosophie: Statt Funktionen zu streichen, bietet Vivaldi so viele Einstellungen und eingebaute Werkzeuge wie kaum ein anderer Browser.

Wer steckt hinter Vivaldi?

Vivaldi ist das Produkt des norwegischen Unternehmens Vivaldi Technologies AS, gegründet im Dezember 2013 von Jon Stephenson von Tetzchner in Reykjavík. Von Tetzchner ist kein Unbekannter: 1995 gründete er gemeinsam mit Geir Ivarsøy die Firma Opera Software und leitete sie als CEO bis 2010. Als Opera 2013 seine eigenständige Browser-Engine Presto aufgab und auf eine abgespeckte, Chromium-basierte Version umstieg, verlor der Browser viele Funktionen, die ihn bei Power-Usern beliebt gemacht hatten. Von Tetzchner war unzufrieden — und baute einfach etwas Neues.

Der Name Vivaldi kommt übrigens nicht von ungefähr: Das Unternehmen betrieb zunächst eine Community-Plattform namens vivaldi.net, die als Ersatz für das im März 2014 von Opera abgeschaltete Forum „My Opera“ diente. Aus dieser Community heraus entstand der Browser.

Von der Preview zum fertigen Produkt

Am 27. Jänner 2015 stellte Vivaldi Technologies die erste öffentliche Vorabversion — die sogenannte Technical Preview 1 — der Fachpresse vor. Ab dem 16. Februar war sie auch für alle downloadbar. Es folgten weitere Preview-Versionen bis hin zur Beta, bevor von Tetzchner am 6. April 2016 persönlich die stabile Version 1.0 ankündigte. Das Team bestand zu dieser Zeit aus rund 35 Personen, von denen etwa die Hälfte zuvor schon für Opera gearbeitet hatte.

Ein wichtiger technischer Hinweis zur Marktanteilsmessung: Ab Version 2.10 änderte Vivaldi seinen User-Agent-String (die Kennung, die ein Browser gegenüber Webseiten übermittelt) so, dass er wie ein generischer Chromium-Build aussieht. Das macht Vivaldi in Browser-Statistiken unsichtbar — der tatsächliche Nutzerstand ist daher höher als die meisten Marktanteilstabellen zeigen.

Was Vivaldi von anderen Browsern unterscheidet

Der größte Unterschied liegt in der Philosophie: Chrome, Edge und Safari streben nach Einfachheit. Vivaldi dreht das Prinzip um und gibt dir die Kontrolle.

Die Tab-Verwaltung ist eines der stärksten Argumente. Du kannst Tabs zu Stapeln (Tab Stacks) zusammenfassen, mehrere Tabs gleichzeitig nebeneinander auf einer Bildschirmfläche anzeigen lassen (Tab Tiling) und einzelne Tabs in den Ruhezustand versetzen (Tab Hibernation), damit sie keine Systemressourcen verbrauchen. Wer regelmäßig Dutzende Tabs offen hat, merkt den Unterschied.

Die Oberfläche passt sich an die Farben der gerade besuchten Webseite an — das sogenannte adaptive Farbthema wechselt automatisch, kann aber auch deaktiviert werden. Position der Tab-Leiste, Adresszeile, Panels und Menüs lässt sich frei konfigurieren.

Eingebaut sind außerdem ein E-Mail-Client (mit IMAP- und POP3-Unterstützung), ein RSS-Feed-Reader, ein Kalender, ein Notizblock mit Markdown-Unterstützung sowie ein Werbe- und Tracker-Blocker, der an der Funktionsweise von uBlock Origin angelehnt ist. All das erfordert keine zusätzlichen Erweiterungen.

Chrome-Erweiterungen aus dem Google Web Store funktionieren trotzdem problemlos, seit der ersten Technical Preview 2.

Datenschutz und Geschäftsmodell

Vivaldi sammelt nach eigenen Angaben keine Nutzungsdaten. Der Browserverlauf wird lokal auf deinem Gerät gespeichert und nicht an Vivaldi Technologies übertragen. Als Standardsuchmaschine ist nicht Google voreingestellt — du wählst selbst. Der eingebaute Sync (also die Synchronisierung zwischen Geräten) ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sodass nur du auf deine Daten zugreifen kannst.

Finanziert wird das Unternehmen primär durch Vereinbarungen mit Suchanbietern — ähnlich wie Firefox — sowie durch vorinstallierte Lesezeichen, für die Partner bezahlen.

Plattformen und aktuelle Entwicklung

Vivaldi läuft auf Windows, macOS und Linux (wo es auch als Snap-Paket verfügbar ist) sowie seit einigen Jahren auf Android und iOS. Im Dezember 2021 war Vivaldi der erste Browser überhaupt, der für Android Automotive — das Fahrzeugsystem des schwedischen Elektroautoherstellers Polestar — veröffentlicht wurde.

Im September 2021 löste Vivaldi Firefox als Standard-Browser der Cinnamon Community Edition der Linux-Distribution Manjaro ab. Das sorgte in der Linux-Community für Diskussionen, da Vivaldi zwar kostenlos, aber kein vollständig quelloffenes (Open-Source) Produkt ist.

Stand März 2026 gibt Vivaldi Technologies 4 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer an. Die aktuell verfügbare Version ist Vivaldi 7.9, die unter anderem eine neue Methode zur Bildschirmraumnutzung und verbesserte Tab-Funktionen mitbringt.


Häufige Fragen

Ist der Vivaldi Browser sicher?

Vivaldi basiert auf Chromium und erhält regelmäßige Sicherheitsupdates. Zusätzlich enthält er einen eingebauten Tracker- und Werbeblocker sowie einen Ende-zu-Ende-verschlüsselten Sync. Nach eigenen Angaben des Unternehmens werden keine Nutzerdaten gesammelt oder weitergegeben.

Kann ich Chrome-Erweiterungen in Vivaldi nutzen?

Ja. Da Vivaldi auf Chromium basiert, sind alle Erweiterungen aus dem Google Chrome Web Store kompatibel und lassen sich direkt installieren. Das war bereits seit der zweiten Technical Preview im Jahr 2015 der Fall.

Warum taucht Vivaldi in Browser-Marktanteilsstatistiken kaum auf?

Ab Version 2.10 meldet sich Vivaldi gegenüber Webseiten als generischer Chromium-Browser und nicht als Vivaldi. Dadurch erfassen die meisten Tracking-Systeme den Browser nicht als eigenständige Kategorie — die echte Nutzerzahl ist also deutlich höher als die offiziellen Statistiken zeigen.