WCAG 2.2 steht für Web Content Accessibility Guidelines 2.2. Die Richtlinien beschreiben überprüfbare Anforderungen, mit denen du Webinhalte für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen besser zugänglich machen kannst. Sie wurden vom World Wide Web Consortium (W3C) am 5. Oktober 2023 als Webstandard veröffentlicht.
Was regelt WCAG 2.2?
WCAG 2.2 soll Barrieren auf Websites und in webbasierten Anwendungen reduzieren. Dabei geht es unter anderem um Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen, eingeschränkter Beweglichkeit sowie kognitiven oder neurologischen Einschränkungen. Die Kriterien sind bewusst nicht an eine bestimmte Programmiersprache gebunden und können daher auf unterschiedliche Webtechnologien angewendet werden.
Die Richtlinien beruhen auf vier Grundprinzipien. Inhalte sollen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein. Robust bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Inhalte möglichst zuverlässig mit verschiedenen Browsern und unterstützenden Technologien wie Screenreadern funktionieren. Unter diesen vier Prinzipien enthält WCAG 2.2 insgesamt 13 Richtlinien und zahlreiche konkrete Erfolgskriterien.
Welche Konformitätsstufen gibt es?
Die einzelnen Erfolgskriterien sind den Stufen A, AA und AAA zugeordnet. Stufe A enthält grundlegende Anforderungen. Für eine Konformität mit AA müssen alle Kriterien der Stufen A und AA erfüllt sein. AAA umfasst zusätzlich die Kriterien der höchsten Stufe.
Ein höheres Konformitätsniveau bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Website für jede Person vollständig barrierefrei ist. Das W3C weist ausdrücklich darauf hin, dass selbst WCAG AAA nicht alle Bedürfnisse sämtlicher Menschen mit Behinderungen abdecken kann.
Was ist neu in WCAG 2.2?
WCAG 2.2 baut auf WCAG 2.1 auf und ergänzt neun neue Erfolgskriterien. Gleichzeitig wurde das frühere Kriterium 4.1.1 „Parsing“ entfernt, da es als überholt gilt. Inhalte, die WCAG 2.2 erfüllen, erfüllen grundsätzlich auch die Anforderungen von WCAG 2.0 und WCAG 2.1.
Die neuen Kriterien betreffen besonders Tastaturbedienung, motorische Einschränkungen und kognitive Barrieren. So darf ein Element mit Tastaturfokus auf Stufe AA nicht vollständig durch andere Inhalte verdeckt werden. Funktionen, die normalerweise eine Ziehbewegung mit Maus oder Finger verlangen, benötigen grundsätzlich auch eine Alternative ohne Ziehen. Klick- und Touchflächen sollen nach dem neuen AA-Kriterium zur Zielgröße mindestens 24 × 24 CSS-Pixel groß sein oder ausreichend Abstand zu anderen Zielen besitzen, sofern keine Ausnahme greift.
Auch Formulare und Anmeldungen stehen stärker im Mittelpunkt. Informationen, die du innerhalb eines Vorgangs bereits eingegeben hast, sollen nicht unnötig erneut verlangt werden. Bei der Anmeldung dürfen kognitive Tests wie das Erinnern oder Abschreiben bestimmter Informationen nicht die einzige Möglichkeit sein, sofern keine der vorgesehenen Ausnahmen oder Hilfen vorhanden ist. Passwortmanager sowie Kopieren und Einfügen können beispielsweise dabei helfen, solche Barrieren zu reduzieren.
Wie setzt du WCAG 2.2 praktisch um?
Für eine barriereärmere Website reicht ein automatischer Test allein nicht aus. Viele Kriterien lassen sich nur zuverlässig durch eine Kombination aus technischen Prüfungen und menschlicher Bewertung beurteilen. Das betrifft beispielsweise die sinnvolle Reihenfolge bei Tastaturbedienung, verständliche Fehlermeldungen oder die Frage, ob ein sichtbarer Fokus tatsächlich ausreichend erkennbar ist. Das W3C stellt dafür technische Umsetzungshinweise und dokumentierte Testverfahren bereit.
Barrierefreiheit sollte deshalb bereits bei Gestaltung, Entwicklung und Inhaltserstellung berücksichtigt werden. Nachträgliche Korrekturen sind möglich, können bei umfangreichen Websites aber deutlich aufwendiger werden.
Welche rechtliche Bedeutung hat WCAG 2.2 in Österreich?
WCAG 2.2 ist selbst kein österreichisches Gesetz. Technische Barrierefreiheitsstandards können jedoch bei gesetzlichen Anforderungen eine wichtige Rolle spielen. In Österreich gilt seit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) für bestimmte Produkte und Dienstleistungen, darunter unter bestimmten Voraussetzungen auch E-Commerce-Angebote, Online-Banking sowie bestimmte Websites und Apps.
Welche WCAG-Version rechtlich maßgeblich ist, darfst du nicht automatisch aus der neuesten W3C-Version ableiten. Auf europäischer Ebene spielt etwa die Norm EN 301 549 eine wichtige Rolle. Die derzeit harmonisierte Fassung im Zusammenhang mit der EU-Richtlinie für Websites öffentlicher Stellen baut wesentlich auf WCAG 2.1 auf. Neue WCAG-Versionen verändern bestehende gesetzliche Verpflichtungen nicht automatisch.
Häufige Fragen
Was ist WCAG 2.2?
WCAG 2.2 ist eine Version der Web Content Accessibility Guidelines des W3C. Sie enthält überprüfbare Kriterien, mit denen du Websites und Webinhalte für Menschen mit Behinderungen besser zugänglich gestalten kannst.
Was ist der Unterschied zwischen WCAG 2.1 und 2.2?
WCAG 2.2 baut auf WCAG 2.1 auf und ergänzt neun neue Erfolgskriterien. Diese betreffen unter anderem Tastaturfokus, Zielgrößen, Ziehbewegungen, wiederholte Eingaben und barriereärmere Anmeldeverfahren.
Ist WCAG 2.2 in Österreich gesetzlich verpflichtend?
WCAG 2.2 ist selbst kein österreichisches Gesetz. Welche Anforderungen für deine Website gelten, hängt vom jeweiligen Rechtsrahmen und den dafür maßgeblichen technischen Standards ab.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Lexikoneintrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Ob und in welchem Umfang Anforderungen rund um WCAG 2.2 und digitale Barrierefreiheit für dein Unternehmen, deine Website oder deinen Webshop gelten, hängt vom konkreten Einzelfall ab. Bei rechtlichen Fragen solltest du dich an eine entsprechend qualifizierte Rechtsberatung wenden.