WordPress ist ein kostenloses, quelloffenes Content-Management-System (CMS), mit dem du Websites erstellen und verwalten kannst, ohne Programmierkenntnisse zu brauchen. Es basiert auf der Skriptsprache PHP und einer MySQL– oder MariaDB-Datenbank. Mit einem Marktanteil von rund 43,4 % ist WordPress das weltweit am häufigsten eingesetzte CMS — fast jede zweite Website im Netz läuft darauf.
Entstehung: Von b2/cafelog zu WordPress
In den Jahren 2001/2002 entwickelte der französische Programmierer Michel Valdrighi ein Weblogsystem namens b2/cafelog, das er unter der freien GPL-Lizenz veröffentlichte. Einige Monate nachdem Valdrighi die Entwicklung eingestellt hatte, gab Matthew Mullenweg im Jänner 2003 in seinem Blog bekannt, auf dieser Codebasis eine neue Blogsoftware entwickeln zu wollen.
Am 27. Mai 2003 veröffentlichten Matt Mullenweg und Mike Little die erste Version von WordPress. Sie hatten b2/cafelog als Ausgangspunkt genommen, aber erheblich weiterentwickelt — unter anderem mit einem neuen Adminbereich und modernen XHTML-Templates. Den Namen selbst schlug laut überlieferter Community-Geschichte Mullenweegs Freundin Christine Selleck Tremoulet vor: „WordPress“ verbindet das geschriebene Wort mit dem Begriff Presse und passt damit zum Gedanken des freien Publizierens im Netz.
Das Jahr 2005 markiert die Einführung mehrerer wichtiger Funktionen — darunter ein WYSIWYG-Editor und statische Seiten. Im selben Jahr gründete Mullenweg das Unternehmen Automattic, mit dem er in einer ersten Finanzierungsrunde mehr als eine Million US-Dollar einsammelte. Automattic betreibt bis heute unter anderem die Plattform WordPress.com.
Im Jahr 2010 rief Mullenweg die WordPress Foundation ins Leben, eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, die Weiterentwicklung von WordPress und die Demokratisierung durch freie Software zu fördern.
Wie WordPress funktioniert
WordPress ist serverseitige Software: Du installierst es auf einem Webhosting-Paket, und es generiert beim Seitenaufruf dynamisch HTML aus den Inhalten, die in der Datenbank gespeichert sind. Die Verwaltung läuft über ein browserbasiertes Backend, das du unter der URL beispiel-seite.at/wp-admin erreichst.
Die Oberfläche gliedert sich in Beiträge, Seiten, Medien, Design und Plugins. Inhalte erstellst du seit Dezember 2018 im sogenannten Gutenberg-Block-Editor: Er wurde mit WordPress 5.0 eingeführt und ersetzt den alten TinyMCE-Editor. Jedes Element deines Inhalts ist ein eigenständiger Block — ein Absatz, ein Bild, ein Button — der sich individuell konfigurieren lässt. Mit Full Site Editing, das ab Version 5.9 schrittweise eingeführt wurde, kannst du auch Header, Footer und sonstige Template-Bereiche direkt im Block-Editor gestalten.
Das System ist themes– und plugin-basiert: Das Theme steuert das Aussehen der Website, Plugins erweitern die Funktionalität. Das offizielle Plugin-Verzeichnis listet über 60.000 kostenlose Plugins, das Theme-Verzeichnis über 13.000 Themes.
WordPress.org vs. WordPress.com
Ein häufiger Stolperstein: Es gibt zwei unterschiedliche Angebote unter demselben Namen. WordPress.org ist die offizielle Seite der Open-Source-Software — hier lädst du WordPress kostenlos herunter und installierst es auf eigenem Hosting. Du hast volle Kontrolle, trägst aber auch selbst die Verantwortung für Updates und Sicherheit.
WordPress.com hingegen ist ein kommerzieller Hostingdienst von Automattic. Du meldest dich an und hast sofort eine Website — dafür gibt es je nach Abo-Modell Einschränkungen bei Plugins und eigenen Themes. Für professionelle Projekte wird in der Regel die selbst gehostete Variante über WordPress.org gewählt.
Marktstellung und Ökosystem
Der nächste Konkurrent, Shopify, kommt auf gerade einmal 4,8 % Marktanteil, gefolgt von Wix mit 3,7 %, Squarespace mit 2,3 %, Joomla mit 1,5 % und Drupal mit 0,8 %. WordPress dominiert also in einer eigenen Liga.
Der Marktanteil stieg von 17,4 % im Jahr 2013 auf 43,7 % im Jahr 2024. Zu den bekannten Websites, die auf WordPress laufen, zählen unter anderem das Blog von TED, Reuters und The New Yorker.
Im E-Commerce-Bereich ist das Plugin WooCommerce die verlängerte Werkbank: WooCommerce hält einen Anteil von 33,87 % am E-Commerce-Plattform-Markt und ist damit Marktführer vor Shopify mit 18,53 %.
Ein kulturelles Detail, das in der Community gerne erwähnt wird: Alle Hauptversionen von WordPress sind seit Version 1.0 nach Jazz-Musikerinnen und Jazz-Musikern benannt — beginnend mit Miles Davis.
WordPress und SEO
WordPress gilt als SEO-freundlich, weil es saubere URL-Strukturen (sogenannte Permalinks) erzeugt, Metadaten über Plugins verwalten lässt und die technischen Grundvoraussetzungen für gutes Ranking gut unterstützt. Plugins wie Yoast SEO oder Rank Math integrieren sich nahtlos in den Block-Editor und ermöglichen es, Title-Tag, Meta Description, strukturierte Daten und Kanonisierung direkt beim Erstellen eines Beitrags zu pflegen.
Auf der technischen Seite solltest du beachten, dass WordPress-Installationen ohne Optimierung vergleichsweise langsam laden können. Caching-Plugins, optimiertes Hosting und die richtige Bildkomprimierung sind daher keine optionalen Extras, sondern Voraussetzungen für konkurrenzfähige Core Web Vitals.
Kritik und Kontroversen
Laut einer Studie sind nur zwei Prozent aller WordPress-Plugins für 99 Prozent der bekannten Sicherheitslücken verantwortlich — das zeigt, dass das WordPress-Core selbst vergleichsweise sicher ist, das Plugin-Ökosystem aber ein echtes Risiko darstellt.
Für Aufsehen sorgte 2024 ein öffentlicher Konflikt zwischen Matt Mullenweg und dem WordPress-Hostinganbieter WP Engine: Mullenweg warf WP Engine vor, WordPress auszunutzen, nichts zurückzugeben und Markenrechte zu verletzen. Die Aktionen und die öffentliche Kommunikation wurden von weiten Teilen der WordPress-Community als fragwürdig wahrgenommen, und Mullenweg wurde Interessenskonflikte und Machtmissbrauch vorgeworfen. Der Streit endete mit einstweiligen Verfügungen und hinterließ Fragen zur Governance eines Projekts, das nominell offen, faktisch aber in erheblichem Maß von einer einzelnen Person kontrolliert wird.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen WordPress.org und WordPress.com?
WordPress.org ist die kostenlos herunterladbare Open-Source-Software, die du auf eigenem Hosting installierst — mit voller Kontrolle über Plugins, Themes und Code. WordPress.com ist ein kostenpflichtiger Hostingdienst von Automattic, der WordPress als verwaltetes Angebot bereitstellt und je nach Plan Einschränkungen mitbringt.
Ist WordPress kostenlos?
Die Software selbst ist kostenlos und kann unter der GNU General Public License (GPL) frei verwendet, verändert und weitergegeben werden. Kosten entstehen durch Webhosting, Premium-Themes, kostenpflichtige Plugins und gegebenenfalls Entwicklungsarbeit.
Ist WordPress gut für SEO?
WordPress bietet grundsätzlich eine solide SEO-Basis mit sauberen URLs, flexiblen Metadaten und breiter Plugin-Unterstützung. Entscheidend für das tatsächliche Ranking sind aber Faktoren wie Ladegeschwindigkeit, sinnvolle Content-Struktur und die korrekte Konfiguration von SEO-Plugins — WordPress allein ist kein Garant für gute Sichtbarkeit.